Tipps für Essen auf Reisen | Seite 58 von 62
Gueffus: sardische Mandelkugeln im bunten Bonbonpapier
Gueffus sind sardische Mandelkugeln: gemahlene Mandeln, Zucker und Zitronenschale werden nur im Topf aufgekocht, gerollt, in Zucker gewälzt, und jede Kugel wird wie ein Bonbon in buntes Papier mit ausgefransten Enden gewickelt. Auf ganz Sardinien macht man sie unter mehreren Namen, sie gehören zu Hochzeiten, Taufen und Weihnachten - und die Legende von den Zinnen auf dem Papier hat sich eine Schriftstellerin ausgedacht.
Mirto di Sardegna: sardischer Likör aus Myrtenbeeren
Mirto di Sardegna ist ein sardischer Likör aus den Beeren der Echten Myrte: Die Beeren werden im Winter in der Macchia gepflückt, dem dichten mediterranen Buschwald, der die halbe Insel bedeckt, ziehen ein paar Wochen in Alkohol und werden mit Sirup gesüßt; das Ergebnis hat rund 30 % und wird eiskalt nach dem Essen getrunken. Myrtenlikör kennt man auch auf Korsika und in ein paar Ecken des italienischen Festlands, den geschützten Namen trägt aber nur der sardische - und zu Hause wurde er lange gemacht, bevor ihn jemand in Flaschen abfüllte.
Sardischer Wein: Vermentino, Cannonau und andere Flaschen von der Insel
Sardinien hat einen einzigen Wein mit DOCG-Status, seine verbreitetste Rebsorte ist identisch mit dem französischen Grenache, und seine Vernaccia reift wie Sherry unter einer Hefeschicht. Ich erkläre, worin sich Vermentino di Gallura und Vermentino di Sardegna unterscheiden, warum sich Archäologie und Aragonien um die Herkunft des Cannonau streiten, und vergleiche sechs Flaschen aus dem Supermarkt bei Villasimius.
Restaurant V Zátiší, Prag (2): Mittagsmenü
Das Restaurant V Zátiší ist ein elegantes Prager Lokal mit einer einzigartigen Verbindung aus tschechischer und indischer Küche. An Werktagen gibt es hier ein Mittagsmenü mit zwei oder drei Gängen zu einem unschlagbaren Preis. Das Lokal ist meist gut besucht, deshalb empfehle ich, vorher einen Tisch zu reservieren.
La Table 101: Bistronomie im Lyoner Viertel Part-Dieu
Mein bestes Mittagessen an einem Montag in Lyon habe ich nicht in einem Bouchon in der Altstadt gefunden, sondern unter Angestellten im Büroviertel Part-Dieu. Das bistronomische Restaurant La Table 101 führt seit 2012 das Ehepaar Delbergues, und der Guide Michelin hat ihm den Bib Gourmand verliehen. Mittagsformule, ein Amuse-Bouche gratis dazu und ein Soufflé, für das sich der Aufpreis lohnt.
Tain-l'Hermitage: ein Winzerdorf an der Rhône
Keine Stunde mit dem Zug von Lyon entfernt liegt ein Dorf, über dem sich einer der berühmtesten Weinhügel Frankreichs erhebt. Die Appellation Hermitage umfasst nur 135 Hektar und wurde schon 1816 in die erste Klasse eingestuft - im Dorf darunter wird trotzdem gratis und ohne Anmeldung verkostet. Dazu die Legende vom Einsiedler und ein Tipp, wie du beim Crozes-Hermitage sparst.
Le Tiroir: Lyoner Bistro mit dem Bib Gourmand des Guide Michelin
Der Bib Gourmand ist kein halber Stern, sondern eine eigene Auszeichnung des Guide Michelin für Küchen mit fairer Rechnung - und Le Tiroir, ein modernes Bistro im Lyoner Viertel Vaise, trägt ihn seit 2021. Auf dem Mittagsmenü, das je vier Vorspeisen, Hauptgänge und Desserts zur Auswahl stellt, treffen sich frittierter Saint-Marcellin, Flank Steak vom Rind und ein Rhabarberdessert.
Französischer Käse
Wie viele Käsesorten Frankreich hat, weiß nicht einmal Frankreich selbst - sogar das de Gaulle zugeschriebene Zitat kursiert mit mehreren verschiedenen Zahlen. Die Übersicht über den französischen Käse baue ich deshalb nach und nach auf und beginne mit dem Pérail: einem Weichkäse aus Schafsmilch aus dem Aveyron, der früher aus der Milch hergestellt wurde, die von der Roquefort-Produktion übrig blieb, und über dreißig Jahre auf die europäische Anerkennung wartete.
Bistro Ansámbl, Prag: entspanntes Fine Dining in der Krymská-Straße
Der Vater braut Bier, der Sohn kochte. Das Bistro Ansámbl in der Krymská-Straße im Prager Stadtteil Vršovice servierte moderne französisch-tschechische Küche im Stil eines entspannten Fine Dining, ein paar Schritte von der Bar der Familienbrauerei Bad Flash entfernt. Im Frühjahr 2022 war es für mich die Entdeckung des Jahres. Heute gibt es das Lokal nicht mehr; dieser Artikel ist die Erinnerung an zwei Abendessen, die es wert waren.
Les Halles in Clisson: eine hölzerne Markthalle aus dem 14. Jahrhundert
Die Markthalle Les Halles im französischen Clisson steht seit dem Ende des 14. Jahrhunderts, unter ihrem hölzernen Dachstuhl finden seit über sechshundert Jahren ununterbrochen Märkte statt. Sie hat sogar den Krieg in der Vendée überstanden, der den Rest der Stadt dem Erdboden gleichmachte. Die Atmosphäre saugst du am besten früh am Morgen auf, wenn die Halle noch fast leer ist und der Markt unter dem mittelalterlichen Dachstuhl erst in Gang kommt.