Süßigkeiten | Seite 6 von 11
Pierniki toruńskie: der Thorner Lebkuchen
Die Thorner Lebkuchen sind eine traditionelle polnische Süßigkeit mit einer Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Untrennbar gehören sie zu Thorn, das landesweit mit dem Slogan "Lebkuchenstadt" wirbt. Ihren vollen Geschmack und Duft verdanken sie hochwertigen Zutaten wie Roggenmehl, Honig und einer besonderen Gewürzmischung. Gebacken werden sie in allen möglichen Formen und Größen, von kleinen Figuren bis zu großen verzierten Platten. Die beliebteste Sorte sind die "Katarzynki".
Tarta de queso La Viña: der baskische Käsekuchen aus San Sebastián
Die Tarta de queso aus der Bar La Viña in San Sebastián ist ein Käsekuchen ohne Boden aus Frischkäse, Eiern, Zucker und Sahne, so heiß gebacken, dass die Oberfläche schwarz wird und der Kern fast flüssig bleibt. Das Rezept entstand Ende der Achtzigerjahre nach zwei Jahren Versuchen von Santiago Rivera; aus einer einzigen Pintxos-Bar hat er als baskischer Käsekuchen den Weg in Cafés auf der ganzen Welt gefunden.
Gata: süßer armenischer Kuchen
Die Gata ist ein armenisches Buttergebäck, dessen häufigste Füllung aus Mehl, Butter und Zucker besteht - ein Kuchen also, gefüllt mit dem eigenen Teig, angeröstet und gesüßt. Ihr Name hat Verwandte im Türkischen und Georgischen und eine Herkunft, die nicht einmal der größte armenische Etymologe entschlüsselt hat. Zu Neujahr wird eine Glücksmünze in ihr versteckt; ich habe sie in der Bäckerei unterhalb des Klosters Haghartsin probiert und in Tatew geschenkt bekommen.
Baklava Gavar: armenische Honigbaklava vom Sewansee
Baklava Gavar ist eine geschichtete Honig-Süßspeise aus der armenischen Stadt Gavar am Ufer des Sewansees. Der Überlieferung nach brachten Umsiedler aus Bajaset das Rezept mit, deshalb heißt sie auch Bajaseter Baklava. Sie besteht aus 22 bis 25 Teigblättern mit Walnüssen und Butter dazwischen und wird mit heißem Honig übergossen. Armenien nahm sie 2022 in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes auf.
Paris-Brest: ein Dessert aus dem Radsport
Der Brandteigkranz mit Praliné-Creme trägt den Namen des Radrennens von Paris nach Brest und zurück - und ist in keiner der beiden Städte entstanden. Die verbreitetste Version schreibt das Dessert dem Konditor Louis Durand aus Maisons-Laffitte zu. Ich habe es in einem Pariser Restaurant mit Bib Gourmand probiert und verrate dir, woran du ein gelungenes Stück erkennst.
Kleckselkuchen: der sächsische Kuchen, den man in Nordböhmen vor der Hochzeit verteilt
Der Kleckselkuchen sieht aus wie ein Missgeschick in der Küche: Auf dem Quark liegen mit dem Löffel hingeklatschte Mohnstreifen und Marmeladenkleckse, darüber Streusel mit Mandeln. Entstanden ist er um 1900 in Leipzig als Rezept für Reste; in Nordböhmen bekam er eine Rolle bei der Hochzeit, die Familie der Braut verteilt ihn vor dem Fest an die Verwandten. Einer landete in der Gegend um Česká Lípa auch auf meinem Tisch.
Fudge: das Butterkaramell
Fudge wirkt wie der Inbegriff des Britischen: Würfel aus Butter und Zucker liegen in jedem Seebad und in jedem Londoner Souvenirladen. Erfunden haben es aber die Amerikaner, und die Briten haben es sich so gründlich angeeignet, dass es heute mit der Krone auf dem Deckel verkauft wird. Wie kam die nach dem Pfusch benannte Süßigkeit über den Ozean, und warum kommt in Cornwall Sahne dazu?
Schoggiweggli: Basler Gebäck mit Schokolade
Ein Hefebrötchen mit Butter, gespickt mit großen Schokoladenstücken, das vor dem Backen oben eingeschnitten wird, damit man schon im Schaufenster sieht, was drinsteckt. Erfunden haben soll es 1975 der Basler Confiseur Anton Bachmann - auch wenn diese Jahreszahl allein von seiner eigenen Firma stammt. Was der Name bedeutet, warum in Deutschland ein ganz anderes Gebäck so heißt und was das Brötchen in Basel kostet.
Birnbrot: das Früchtebrot aus den Schweizer Bergen
Birnbrot ist ein Gebäck aus der Ostschweiz, bei dem der Teig nur eine dünne Hülle bildet; der Kern ist eine dichte Füllung aus gedörrten Birnen, Nüssen, Feigen und Gewürzen. Entstanden ist es in den Bergen, wo man teures Mehl mit Trockenobst streckte, und im Engadin bezahlt man damit am Stephanstag die Schlittenfahrt. Geschnitten wird es in dünne Scheiben zum Nachmittagskaffee; der kleine Bruder Birnweggen wird rund um Luzern gebacken.
Beerawecka: das elsässische Weihnachtsbrot aus Trockenfrüchten
Im Elsass werden vor Weihnachten Laibe gebacken, in denen mehr Trockenfrüchte stecken als Teig: Birnen, Feigen, Aprikosen, Zwetschgen, Rosinen und Nüsse, in Obstbrand eingelegt und nur von einer Handvoll Teig zusammengehalten. Die Beerawecka reift tage- bis wochenlang, wird in dünne Scheiben geschnitten und hat Verwandte jenseits des Rheins, in Österreich, in der Schweiz und in Südtirol. Nicht einmal die Elsässer sind sich einig, was ihr Name bedeutet.